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Karl Bund 1890-1940 |
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Karl Bund wurde am 26. Oktober 1890 in Kummerdorf bei Radkersburg in der Steiermark geboren. Nachdem er das Zimmermannshandwerk erlernt hatte, wurde er zum k.u.k. Infanterie Regiment Nr. 47 assentiert. Zu Kriegsausbruch ging er gleich mit diesem Regiment an die Front gegen Russland nach Galizien ab. Bereits im Dezember 1914 wurde Zugsführer Bund mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet. Nach der Ausbildung zum Stabsunteroffizier wurde Karl Bund mit seinem Regiment, als Zugskommandant in der 2. Feldkompanie, an der Südtirolfront gegen Italien eingesetzt. Hier konnte er sich bei einem Patrouillengang Ende Mai 1916 im Waldgebiet des Bosco di Pasolaro mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille auszeichnen. Sein Bericht hierzu lautet: „Unweit der kleinen Ortschaft Bisele (Südtirol) erhielt ich am 21. Mai 1916 ca. um 12 Uhr mittags von meinem Kompaniekommandanten Herrn Oberleutnant Wilhelm Strohmeier den Befehl mit 12 Mann als Aufklärungspatrouille gegen den Monte Posco di Posolaro und im späteren Verlauf gegen die italienische Festung Campolongo vorzugehen. Sofort nahm ich meine Mannschaft zusammen, erklärte ihnen um was es sich handelt, lies genug Munition, Handgranaten und große Drahtscheren mitnehmen und nun ging es in sehr lockerer Schwarmlinie vorsichtig dem Feind entgegen, ich mit drei Mann als Spitze voraus. Eine tiefe Schlucht durchschreitend ging es am jenseitigen ziemlich steilen Hang ganz flott vorwärts. Drahthindernisse welche uns entgegenstanden wurden rasch durchschnitten. Als wir bereits auf dem Rücken des obgenannten Berges angekommen waren, erblickte ich plötzlich ca. 200 Schritte voraus mehrere Italiener und fast zur gleichen Zeit bekamen wir schon Feuer. Sogleich übersah ich die ganze Situation gab dem Gefreiten Rudolf Schlag den Befehl mit vier Mann gegen den feindlichen rechten Flügel vorzurücken und flankierend ein Schnellfeuer auf die Italiener zu eröffnen, was auch gelungen war. Im Augenblick als der Gegner auf die Gruppe des Gefreiten Schlag Front nehmen wollte, sprang ich mit lautem ‚Hurra’ mit den übrigen 7 Mann gegen den Feind, worauf sich auch Gefreiter Schlag auf diesen stürzte. Umzingelt warfen die Italiener nach kurzem Feuergefecht die Waffen weg. 94 Mann und ein Maschinengewehr kam in unsere Hände, auch viel sonstiges Material wurde erbeutet, sowie einige wichtige italienische Spezialkarten. Für diese Tat bekam ich die ‚Goldene’ und 300 Kronen in Geld, dem Gefreiten Schlag wurde die ‚Große Silberne’ verliehen.“ Hier irrte Karl Bund, Rudolf Schlag wurde zwar für die Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse vorgeschlagen, erhielt aber letztlich nur die Wiederholungsspange zur Silbernen 2. Klasse verliehen. Stabsfeldwebel Bund wurde am 13. Juni 1916 jedenfalls die Goldene Tapferkeitsmedaille zuerkannt und wenige Tage später in der Reservestellung des Regimentes bei Asiago durch den Regimentskommandanten Oberst Viktor Kliemann feierlich überreicht. Gemäß dem kaiserlichen Befehl, nachdem Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille möglichst aus der Front gelöst werden sollten um im Hinterland zur Ausbildung eingesetzt zu werden, sollte Stabsfeldwebel Bund an den Ersatztruppenkörper abgehen. Doch noch bevor es zur Transferierung kam, wurde er durch feindlichen Artilleriebeschuss verschüttet. Er konnte zwar nach einiger Zeit geborgen werden, verlor dadurch aber auf Dauer das Gehör auf dem linken Ohr. Karl Bund, der wieder in seinen Zivilberuf als Zimmermann zurückgekehrt war, erhielt ab 1918 bis 1922 für diese Verstümmelung sogar eine kleine Invalidenrente, die dann jedoch aufgrund allgemeiner staatlicher Einsparungsmaßnahmen gestrichen wurde. Am 26. Oktober 1920 legte Karl Bund in Graz die Meisterprüfung als Zimmermann ab. Im selben Jahr heiratete er und entschied sich auf Dauer in Radkersburg niederzulassen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage wurde immer schlechter und als Karl Bund im Jahre 1927 schwer erkrankte und monatelang im Krankenhaus zubringen musste, war seine Frau gezwungen seine Goldene Tapferkeitsmedaille einem Freund der Familie als Pfand für ein Darlehen zu überlassen. Ein Pfand, dass er offenbar nicht wieder auslösen konnte. Mit einer Unterbrechung von 18 Monaten, wo er bei der Murverbauung Arbeit finden konnte, war Karl Bund ab 1929 arbeitslos. Außer der Tapferkeitsmedaillenzulage hatte Karl Bund praktisch kein Einkommen. Von Bundeskanzler Dollfuß erhielt er einmal persönlich eine Zuwendung von 60,- Schilling und aus dem Fond der Frontkämpfer einmal 50,- Schilling, in den Jahren 1935 90,- Schilling und 1936 80,- Schilling aus der Weihnachtssammlung des Rings der Goldenen Tapferkeitsmedaille und von 1935 bis 1937 jährlich ein sogenanntes „Wäsche und Kleider Paket“ aus der Winterhilfe. Im Grunde konnte das, kinderlos gebliebene, Ehepaar Bund erstmals nach dem Krieg wieder Hoffnung schöpfen, als Deutsche Truppen Österreich besetzten und der Kanzler des Deutschen Reiches Arbeit und Brot für alle versprach. Wie die meisten anderen Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille wurde auch Karl Bund ehrenhalber, bereits am 12. Oktober 1939, zum Leutnant a.D. in der Landwehr der Deutschen Wehrmacht befördert. Doch darüber konnte er sich nicht lange freuen, denn bereits am 1. Mai 1940 verstarb Karl Bund, von Krankheit und Entbehrungen gezeichnet, erst 49 Jahre alt, in Radkersburg. Anmerkung: Seit 1995 vergibt die Heeresunteroffiziersakademie des Österreichischen Bundesheeres in Enns, dem Vorbild der Jahrgangsnamen der Militärakademie in Wiener Neustadt folgend, Lehrgangsnamen und so erhielt der 34. Lehrgang 2016 den Namen "Stabsfeldwebel Karl Bund". © Jörg C. Steiner, Wien |