Josef Mitterer (Pater Richard)

1898-1975

 

Josef Mitterer kam am 23. Februar 1898 (nach anderen Quellen am 24.) in Vomp bei Schwaz (Tirol), als Sohn des Eisenbahnweichen-Wärters Andreas und der Josefa, geborene Huber, zur Welt. Nach der Volksschule in Schwaz besuchte er als Zögling das Brixener Staatsgymnasium „Kassianeum“. Nach Ablegung der Kriegsmatura rückte er im Mai 1916 zum 1. Tiroler Kaiser-jäger Regiment ein, wurde jedoch nach zweimonatiger Grundausbildung zum k.u.k. Feldjäger-Bataillon Nr. 7 transferiert. Nach der Offiziersschule in Windisch-Feistritz und Mürzzuschlag kam er als EF-Unteroffizier an die Südfront, wo er zum Fähnrich der Reserve befördert wurde.

Die italienische Jänner-Offensive im Jahre 1918 im Raum der Sieben Gemeinden traf die oberste Heeresleitung völlig überraschend. Unvermutet griff der Feind am 28. Jänner 1918 am Monte Sisemol an und drang tief in die österreichisch-ungarischen Stellungen ein. Mit den Männern seines Zuges gelang es Fähnrich Mitterer in einem harten Abwehrkampf die eingedrungenen Italiener wieder aus den Stellungen zu werfen und so den überaus gefährdeten Frontabschnitt wieder zu bereinigen.

Für diese kühne Waffentat wurde er mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, die Publikation im Verordnungsblatt erfolgte am 11. November 1918. Die tatsächliche Überreichung der Medaille fand erst am 25. Februar 1918 im Mühlbach im Pustertal durch den scheidenden (interimistischen) Bataillons-Kommandanten Major Egon Puteany Edler von Drauhain statt.

Wenig später, im Zuge der österreichischen Juni-Offensive des Jahres 1918 griff Fähnrich Mitterer, als Kommandant einer Maschinengewehr-Halbkompanie, die Italiener am Monte di Valbella derart ungestüm und schneidig an, dass er zahlreiche Gefangene und wichtiges Material als Beute einbringen konnte. Für diese Aktion wurde im die Silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse verliehen. Mit Rang vom 1. November 1918 wurde er noch zum Leutnant der Reserve befördert.

Doch Josef Mitterer hatte zuviel erlebt um in einer militärischen Karriere seine Zukunft zu sehen. Nach Vollendung seiner Studien der Theologie in Brixen wurde er am 27. Juni 1924 zum Priester geweiht. Hierauf wirkte er einige Jahre als Kooperator in Trins, sowie als Kaplan in Gaisbühel und Kreckelmoos. Nach der Promotion zum Doktor der Theologie an der Universität Wien im Jahre 1929, kam er als Kooperator nach Pfunds, ging aber dann zu einem einjährigen Lizenziat an das päpstliche Bibelinstitut nach Rom. In den zwei folgenden Jahren lehrte er als Religionsprofessor an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck.

Am 30. September 1934 trat der Weltpriester Dr. Josef Mitterer in Imst dem Kapuzinerorden bei, wo er am 2. Oktober 1938 das feierliche Ordensgelübde ablegte und den Ordensnamen „Richard“ annahm. Nach seinem seelsorgerischen Wirken in Bludenz, Salzburg, Innsbruck und im Krankenhaus zu Zams, wurde Pater Richard im Jahre 1945 als Lektor für Neues Testament, Fundamentaltheologie und Homiletik an die Theologische Lehranstalt der Kapuziner zu Innsbruck berufen, wo er bis 1964 in der Ausbildung der Ordenstheologen tätig war.

Im Jahre 1964 erkrankte Pater Richard erstmals schwer, erholte sich aber langsam wieder. In den folgenden Jahren kam er verschiedenen Seelsorgsaufgaben nach, so hielt er wie die Jahre bisher in der Kapuzinerkirche die Predigten bei der 10-Uhr-Messe und war ebenso im Städtischen Altersheim in der Ing.-Etzel-Straße tätig, bis seine Kräfte im Frühjahr 1975 zusehends nachließen. Dr. Josef Mitterer – Pater Richard – verstarb, versehen mit den Sakramenten der Kirche, am 12. Juni 1975 im Kapuzinerkloster zu Innsbruck.

© Jörg C. Steiner, Wien

 

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