Wilhelm Schediwy

1884-1956

 

Wilhelm Schediwy wurde am 24. Februar 1884 in Wien geboren. Schediwy gehörte zu dem riesigen Heer jener Männer, die zwar körperlich geeigneten, aber durch die Praxis der häufigen Rückstellungen, 1914 (noch) nicht gedient waren. Der Dreißigjährige, verheiratete Bauleiter, ohne Kinder, meldete sich trotzdem als Kriegsfreiwilliger und wurde dem I. Landsturm Bataillon des Infanterie Regiments Nr. 98 zur Ausbildung zugeteilt. Nach einem Jahr wurde er, mit Rang vom 8. Februar 1916, am 1. August 1915 zum Landsturm-Kadetten auf Kriegsdauer befördert.

Wilhelm Schediwy wird natürlich wegen seines Alters und auch seiner Fähigkeiten mit Menschen umzugehen, die er als Bauleiter zweifellos beherrschte, im Gegensatz zu „normalen“ Kadetten schon häufig als Patrouillen- oder Zugskommandant eingesetzt. Zum Jahreswechsel 1915/16 befindet er sich bei jenem Bataillon des IR Nr. 98, dass bei der Südarmee detachiert ist und die Kämpfe um den Lovčen mitmacht. Im Belohnungsantrag zur Goldenen Tapferkeitsmedaille heißt es:

Ldst-Fhr. Schediwy führte als jüngster (interim.) Kompaniekommandant seine Unterabteilung in den Kämpfen am Lovčen in der Zeit vom 8. – 12. Jänner 1916 mit kraftvoller Energie von Erfolg zu Erfolg. So am 8. Jänner gegen den Felsen Sukič, am 9. gegen die Höhe 1385, am 10. und 11. gegen die Höhe Babjak. Ldst.Fhr. Wilhelm Schediwy stand wiederholt, durch Terrain- und Gefechtsverhältnisse bedingt, ganz allein, griff während dem Morgengrauen die gegenüberliegende feindliche Infanterie auf eigene Faust an und eroberte dabei 5 feindliche Geschütze.

Seine Vorgesetzten waren sich darüber einig, dass er, wäre er schon Offizier, für diese eigenständige Tat das Ritterkreuz des Militär-Maria Theresien-Ordens erhalten hätte. Aber genau genommen war Schediwy zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Fähnrich, denn diese Ernennung durch das Landsturm-Bezirks-Kommando Nr.1 erfolgte erst mit Datum 1. März 1916.

Routinemäßig wird Ldst-Fähnrich Schediwy am 1. August 1916 zum Ldst-Leutnant auf Kriegsdauer ernannt. Diese Beförderung erreicht Wilhelm Schediwy im Spital zu Kaposvar, wo er wegen eines Durchschusses des linken Fußes behandelt wurde. In eben dieser Etappenstadt wäre ihm auch, nach eigenen Angaben, die, am 26. August 1916 durch Obstlt. Karl Sieber, dem Bataillonskommandanten, überreichte Goldene Tapferkeitsmedaille verloren gegangen.

Ldst-Leutnant Schediwy geht nochmals an die Front, erringt am 20. Juli 1917 das Militär-Verdienstkreuz mit Kriegsdekoration und Schwertern und wird abermals, durch einen Durchschuss der rechten Schulter, schwer verwundet. Mit 1. November 1918 wir er, wie so viele anlässlich der Entlassung, letztmalig befördert und zwar zum Ldst-Oberleutnant, den Zusatz „auf Kriegsdauer“ ersparte man sich aus verständlichen Gründen.

Wilhelm Schediwy, dessen Ehe auch weiterhin kinderlos bleiben sollte, kehrte in seinen alten Beruf zur seiner alten Firma zurück, doch die Zeiten waren schwer und wurden schwerer. Anfang Februar 1926 beendet auch seine Firma ihre Geschäftstätigkeit. Wilhelm Schediwy muss sich auch ins große Heer der Arbeitslosen einreihen, versucht verzweifelt jede Arbeit anzunehmen, als Polier, als Chauffeur, als Reisebüroleiter, so geht es, unterbrochen von längeren Phasen der Arbeitslosigkeit bis 1934 dahin.

In den Dreißiger Jahren sieht man ihn häufig als Teilnehmer, stets im schmucken Waffenrock des k.u.k. Infanterie Regiments Nr. 98 gekleidet, verschiedener Veteranen-Aufmärsche und Heldengedenken. Auf Vermittlung des Rings der Goldenen Tapferkeitsmedaille wird er am 1. Juni 1934 beim Bundesamt für Statistik angestellt, jedoch bereits am 15. September 1934 wieder entlassen! Er schreibt dazu „…da der Besitz der ‚Goldenen’ bei vielen amtlichen Stellen – trotz aller Versprechungen höherer und höchster Stellen – eher ein Hindernis, als eine Bevorzugung bedeutet.“ Eine Meinung, die man in überraschend vielen Akten der Träger dieser höchsten Tapferkeitsauszeichnung lesen kann. Wie ungleich schlimmer muss es für Träger der ‚Goldenen’ in Staaten gewesen sein, die sich nicht als Nachfolger sondern als Sieger verstanden, wie zum Beispiel die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen, Rumänien oder die Ukraine?

Doch Schediwy gibt nicht auf und erhält mit Glück im Oktober 1934 einen Vertrag als Bauleiter, befristet bis Juni 1937, im Ausland und zwar in Rumänien. Weiter ist kaum etwas über ihn bekannt. Laut der Liste, die die Deutsche Wehmacht Ende März 1939 anlegt, über jene Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille, die Zulage beziehen, hat er offensichtlich seine Wohnung im 9ten Wiener Gemeindebezirk nicht aufgegeben, als „derzeitige Postanschrift“ aber noch immer seine Adresse in Bukarest angegeben. Scheinbar wurde sein Vertrag verlängert. Laut Auskunft der Wiener Standesbehörden ist Wilhelm Schediwy am 28. Jänner 1956 verstorben.

© Jörg C. Steiner, Wien

 

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